Barrierefreie Videos – Inklusion umsetzen und alle erreichen

Informieren, kommunizieren, Daten austauschen, einkaufen – das Internet ist heute unverzichtbar. Doch viele Menschen können auf wichtige Webangebote

Informieren, kommunizieren, Daten austauschen, einkaufen – das Internet ist
heute unverzichtbar. Doch viele Menschen können auf wichtige Webangebote
nicht zugreifen. Das Problem: Viele Webauftritte sind nicht barrierefrei. Es gibt
zwar weltweit anerkannte Standards, die festlegen, wie barrierefreies
Webdesign umgesetzt werden kann, doch vielen Entwicklern ist nicht bewusst,
welche Hindernisse Menschen mit Behinderung oder älteren Menschen die
Internetnutzung erschweren.

                                                                                                             Das Hand-Gesten-Alphabet

Warum ist Barrierefreiheit in Erklärvideos so wichtig?

Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind hochgradig hörbehindert oder
gehörlos – so die Zahlen der Initiative BIK für Alle – barrierefrei kommunizieren und
informieren. Aktuellere Quellen nennen einen deutlich höheren Anteil, nämlich etwa 5
Prozent, was bei einem Bevölkerungsstand von 82 Millionen etwa 4.100.000
Hörgeminderte bedeutet. Weltweit waren es 2015 rund 360 Millionen Menschen.
Wenn man leicht- bis mittelgradig schwerhörige Menschen hinzuzählt, sind sogar 19
Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen.

Doch Barrierefreiheit nützt nicht nur Menschen mit Hörbehinderung. Auch Senioren,
Kinder, Eltern und Menschen, die nur vorübergehend eingeschränkt sind, profitieren
von Texten in Leichter Sprache oder Bebilderungen, außerdem Menschen, die wenig
Deutsch sprechen oder nicht (gut) lesen können.
Das Thema Barrierefreiheit ist auch für Menschen ohne Behinderung interessant,
denn irgendwann sind sie womöglich selbst auf barrierefreies Internet angewiesen.
Nur vier Prozent aller Behinderungen sind nämlich angeboren – in den allermeisten
Fällen löst eine Krankheit oder ein Unfall die Behinderung aus. Außerdem werden wir
immer älter. Auch deshalb sollten sich alle für ein Leben ohne Barrieren engagieren.

Barrierefreie Angebote sind die Zukunft

Barrierefreiheit und Inklusion sind also mehr als nur kurzlebige Trends: Der
gesetzliche Druck, barrierefreie Zugänge zum Internet und zu Online-Angeboten zu
schaffen, wächst in den letzten Jahren stetig. In öffentlichen Ausschreibungen wird
mittlerweile Barrierefreiheit gefordert und international agierende Firmen müssen oft
die Auflagen anderer Länder erfüllen. Fluglinien, die in die USA fliegen, sind zum
Beispiel seit 2016 verpflichtet, barrierefreie Webangebote bereitzustellen. Mit der
Umsetzung von Barrierefreiheit zeigen Unternehmen soziale Verantwortung und
verbessern gleichzeitig ihr Image.

Gesetzliche Grundlagen

Das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen und die Barrierefreie-
Informationstechnik-Verordnung verpflichten Behörden der Bundesverwaltung dazu,
ihre Internetauftritte barrierefrei zu gestalten. Mit der Novellierung des BGG im Jahr
2016 sind noch spezielle Regelungen für ein barrierefreies Intranet dazu gekommen,
die im Juli 2018 nochmal an EU-Recht angepasst wurden. Öffentliche Auftraggeber
werden angehalten, ihre Vergabeverfahren barrierefrei zu gestalten.
Im Richtlinienvorschlag der Europäischen Kommission sollen aber auch private
Unternehmen zu Barrierefreiheit verpflichtet werden. Der Vorschlag betrifft
ausgewählte Produkte und Dienstleistungen, vor allem den elektronischen Handel,
Personenbeförderungsdienste und Banken, aber auch Aus- und Weiterbildung. Der
EU-Richtlinienvorschlag zu Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und
Dienstleistungen könnte noch im Laufe des Jahres 2018 in Kraft treten.

Was sind die Vorteile barrierefreier Videos?

Barrierefreie Internetangebote sind so gestaltet und technisch umgesetzt, dass sie
von allen Menschen genutzt werden können – unabhängig von ihren
Einschränkungen. Das bringt natürlich auch den Anbietern von Webseiten viele
Vorteile:

• Mehr Reichweite

Barrierefreie Videos sorgen für deutlich mehr Besucher auf der Website, weil auch
Menschen mit Behinderung sie nutzen können. Das betrifft über zehn Millionen
Menschen allein in Deutschland: Menschen mit Seh-Behinderungen, Schwerhörige
und Gehörloselose, ältere Menschen oder Nicht-Muttersprachler. Sie alle sind
potentielle Webseitenbesucher – und Kunden.

• Einfache Bedienbarkeit

Barrierefreies Webdesign ist besonders nutzerfreundlich gestaltet: Einfache
Navigationsmechanismen wie ein hierarchischer Seitenpfad, Sitemaps und
Suchfunktionen bieten eine gute Orientierung. Eine leicht erfassbare Sprache und
eine übersichtliche Struktur machen Texte verständlich. Gebärdensprache oder
Untertitel in Videos ermöglichen auch hörbehinderten Menschen einen Zugang zu
den Informationen.

• Bessere mobile Nutzung

Barrierefreies Internet mit Erklärvideos macht die mobile Nutzung angenehmer –
auch für Menschen ohne Behinderung: Wer zum Beispiel in der Öffentlichkeit den
Ton ausstellen möchte oder sich in einer lauten Umgebung befindet, profitiert von
Videos mit Untertiteln.

• Suchmaschinenoptimierung

Durch ihre klare Strukturierung, semantische Codes, Alternativtexte und
Transkriptionen sind barrierefreie Webangebote – wie auch generell Webseiten, die
Videos enthalten – sehr suchmaschinenfreundlich. Ein gutes Argument dafür,
grundsätzlich auf Barrierefreiheit zu achten.

• Hohe technische Standards

Barrierefreie Internetseiten erfüllen höchste technische Standards. Ihre Merkmale
sind inzwischen weit verbreitete Praxis. Sie bewirken zum Beispiel, dass Webseiten
browser- und plattformunabhängig gut dargestellt werden, schnelle Ladezeiten
haben, geringe Traffic-Kosten verursachen und leicht zu warten sind. Dadurch
können solche Webauftritte langfristig kostengünstig betrieben werden.

Die Deutsche Gebärdensprache im Internet umsetzen

Informationen in Deutscher Gebärdensprache (DGS) machen Webseiteninhalte für
gehörlose Menschen zugänglich, die Texte nicht oder nicht gut erfassen können. Die
Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) fordert unter anderem,
Informationen zum Inhalt und zur Navigation einer Webseite in DGS bereitzustellen.

Gebärdensprachen entstehen aus dem Zusammenspiel von Handzeichen,
Körperhaltung, Mundbild und Mimik und sind vollwertige Sprachen mit umfassendem
Vokabular und einer eigenen Grammatik, die sich von der Laut- und Schriftsprache
grundlegend unterscheidet. In Deutschland wird die Deutsche Gebärdensprache
(DGS) angewendet, die seit 2002 als eigenständige Sprache anerkannt ist. Für die
meisten gehörlosen und hörgeschädigten Menschen ist die DGS die verständlichste
und verlässlichste Form der Kommunikation.
Für gehörlose Menschen ist auch die Lesekompetenz keine Selbstverständlichkeit:
Weil sie nicht durch Zuhören erworben werden kann, muss sie als Zweitsprache
erlernt werden. Daher ist die Fähigkeit, Texte zu lesen und verlässlich zu verstehen
oft begrenzt.

                                                                                       Symbol für die Deutsche Gebärdensprache (DGS)

Videos für gehörlose, schwerhörige und sehbehinderte Menschen

Für gehörlose oder schwerhörige Menschen ist die Möglichkeit der Information und
Kommunikation über das Internet ein großer Gewinn. So kann diese Gruppe auch
ohne Telefon mit ihren beruflichen und privaten Kontakten kommunizieren.
Menschen mit angeborener Gehörlosigkeit sind vor allem gebärdensprachorientiert.
Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, ein Video barrierefrei zu gestalten – mit
Untertiteln und für sehbehinderte Menschen mit Audiodeskription.

• Untertitel

Ob Bedienungsanleitung oder Schulung: Videos werden in vielen Bereichen immer
beliebter. Auch gehörlose oder schwerhörige Menschen sehen gern Videos – wenn
sie mit Untertiteln versehen sind. Untertitel helfen gehörlosen Menschen, Nicht-
Muttersprachlern und auch Smartphone-Nutzern ohne Kopfhörer, die ihre
Mitmenschen nicht belästigen wollen. Untertitel sollten pro Einstellung nicht länger
als zwei Zeilen sein, sonst wird die Lesbarkeit erschwert. Außerdem ist es
empfehlenswert, sie etwa zwei Sekunden stehen zu lassen, damit der Inhalt in Ruhe
erfasst werden kann. Auch eine einfache, gut verständliche Sprache ist sehr hilfreich.

                                                                Symbol für Untertitel

• Gebärdensprache

Am besten ist es, wenn gehörlose Menschen mit Videos in Gebärdensprache über
die Inhalte einer Webseite informiert werden. Das ist zwar etwas aufwendiger, aber
für viele gehörlose Menschen ist die Deutsche Gebärdensprache nun mal ihre
Muttersprache. Sie folgt einer anderen Grammatik und Struktur als die Sprache von
Untertiteln. Die meisten Menschen schauen Videos gern in der Sprache, die sie am
besten verstehen.

• Audiodeskription

Audiodeskription beschreibt blinden Menschen die visuellen Details im Video, die
ihnen sonst entgehen würden. Dabei erklärt eine zusätzliche Tonspur die rein
visuellen Inhalte. Zwischen den Dialogen ist dafür meistens nicht viel Zeit. Deshalb
kann nur das Wichtigste beschrieben werden.

                                                               Symbol für Audiodeskription

Barrierefreie Erklärvideos von vjsual

Sie möchten möglichst viele Nutzer erreichen und sich für mehr Inklusion
engagieren? Dann sollten Sie Ihr Erklärvideo barrierefrei produzieren lassen. Wir haben
Erfahrung mit dieser speziellen Produktionsweise und unterstützen Sie gern.
Hier ein Beispielvideo in Gebärdensprache: 

Wenn Sie Ihr Video in ein soziales Netzwerk einbinden möchten, bietet es sich an, es
in verschiedenen Varianten hochzuladen. So kann sich jeder die passende Version
anschauen.

 

Quellen:
http://www.bik-fuer-alle.de/ueber-bik-fuer-alle.html
https://www.meinhoergeraet.de/de/news/schwerhoerige-in-deutschland-2016/631
https://www.aktion-mensch.de/barrierefreier-videoplayer/4-tipps-fuer-dein-
barrierefreies-video.html
https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion/barrierefreiheit-
bedeutung.html?gclid=EAIaIQobChMIkOSg_-
Ps3wIVAoGyCh0O1QPSEAAYAiAAEgJK9_D_BwE

 

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